Warum entscheiden sich Unternehmen für die SE?

Obwohl die SE und die deutsche AG viele Gemeinsamkeiten haben – beispielsweise können die Aktien beider Gesellschaftsformen an der Börse gehandelt werden –, gibt es eine Reihe für die Unternehmenssteuerung relevanter Unterschiede. Sie sind in der Praxis auch die wesentlichen Gründe, warum sich Unternehmen für eine SE entscheiden.

Während das deutsche Aktienrecht zwingend einen Vorstand und Aufsichtsrat vorsieht (dualistische Board-Struktur), kann in der SE auch eine monistische Struktur gewählt werden, bei der, vereinfacht gesagt, die Aufgaben von Vorstand und Aufsichtsrat in einem Verwaltungsorgan gebündelt werden, wie in England und den USA üblich.
Ein weiterer Grund für die SE ist die grenzüberschreitende Mobilität, da eine SE ihren Sitz in einen anderen EU-Mitgliedstaat verlegen kann. Durch die Sitzverlegung wechselt das nationale Recht, das auf die Gesellschaft angewendet wird, so dass aus einer „deutschen“ SE mit Sitz in Berlin infolge einer Verlegung nach Paris eine „französische“ SE wird.

Die Größe und Zusammensetzung des Aufsichtsorgans weicht von den starren deutschen Regelungen des Mitbestimmungsrechts ab. Die Mitbestimmung kann durch einen internen Vertrag zwischen der Arbeitnehmervertretern und der Unternehmensleitung flexibel vereinbart werden. Ist die SE auf dieser Grundlage etabliert, führen nachträgliche Veränderungen der Arbeitnehmerzahlen grundsätzlich nicht zu einer Änderung der Mitbestimmungsregelungen.

Die SE-Gründung ist im Vergleich zur Gründung einer GmbH oder AG relativ komplex, denn die SE kann nicht auf direktem Weg, sondern nur durch bereits bestehende Gesellschaften gegründet werden. Die SE-Verordnung sieht spezifische Gründungsvarianten aus einer AG vor zB der Formwechsel einer AG in eine SE und die Verschmelzung zweier AGs aus unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten bei gleichzeitiger Umwandlung in eine SE. hat.
Allen Gründungsvarianten ist gemein, dass ein sogenanntes Mitarbeiterbeteiligungs-Verfahren für die Zusammensetzung der vorgegebenen Gremien der SE durchgeführt werden muss.

Das Mindestkapital der SE beträgt 120.000 Euro und liegt damit über dem Grundkapital der AG (50.000 Euro) und dem Stammkapital der GmbH (25.000 Euro).

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